Testbericht – Cloudflow von ON

Es ist mal wieder Testzeit! Denn es gibt wieder innovative Neuerscheinungen aus dem Hause ON. Die noch junge Schweizer Marke mischt den Laufschuhmarkt in den letzten Jahren ordentlich auf. Von Beginn an baut ON Laufschuhe zum großen Teil so, wie es von Biomechanikern schon einige Zeit gefordert wird. Nämlich grundsätzlich sehr komfortabel aber vor allem auch sich an Fuß und Bewegung anpassend und nicht umgekehrt. Die Dämpfung übernehmen bei allen ON Modellen einzelne lamellenförmige Puffer, sogenannte „Clouds“, welche sich beim Aufprall zusammendrücken und damit Energie aufnehmen. Sind sie zusammengedrückt, wird die Sohle fest für einen druckvollen, verlustarmen Abdruck.
 
Aktueller Testkandidat – Der Cloudflow. Er soll ein breites Spektrum an Läufern und Läuferinnen ansprechen, die sowohl in Training als auch im Wettkampf einen leichten und direkten aber immer noch gut gedämpften Laufschuh unter ihren Füßen tragen wollen. Also ich würde mal sagen: einen Traningswettkampfschuh. Ob er dass alles vereinen kann, dass wollten meine Verlobte Steffi und ich genau wissen. Wir haben uns mit je zwei niegelnagelneuen Flow-Paaren ausgerüstet und sie mit ins Trainingscamp nach Mallorca mitgenommen.
 

Mein erster Eindruck beim Einstieg in den Schuh: Der Schaft sitz perfekt! Im Vorfuß ist er weit genug und mit der Schnürung kann ich im Bereich der Fußwurzel ein Gefühl des Enganliegens ohne Druckstellen erzeugen Er ist extrem leicht. Allerdings habe ich das Gefühl, dass ich mit der Ferse (trotz 6mm Sprengung lt. Hersteller) recht hoch stehe. Hierzu muss ich sagen, dass ich seit Jahren sowohl im Alltag als auch beim Laufen stets flache, sprengungsfreie bzw. sprengungsreduzierte Schuhe trage. Jede Art von Erhöhung und/oder Kante unter meiner Ferse nehme ich als Fremdkörper war. Die Konstrukteure von ON verzichten biomechanisch korrekt auf stabilisierende Elemente wie z.B. Pronationsstützen oder Fersenkappen. Meine Ferse fühlt sich im Cloudflow trotzdem geführt an, als ob meine O-Beine noch zusätzlich nach außen gedrückt werden. Ein Kriterium, bei welchem für mich persönlich der Schuh schon ausscheidet. Aber ich will ja testen und Läufer/innen mit gerader oder X-Bein Stellung würde er möglicherweise ein „Fühlt der sich gut an!“ entlocken. Und genauso ist es auch. Steffi hatte sofort ein Grinsen im Gesicht. Also ab auf die Wege, Straßen, Strände und Pinienwälder Mallorcas.

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Steffi gefiel von Anfang an Passform, Dämpfung und das Gewicht des Schuhs. Ich selbst bin auf Asphalt beeindruckt vom Federungskomfort, jedoch ist dieser für mich eher gewöhnungsbedürftig, da ich i.d.R. nicht nur flache sondern auch eher wenig gedämpfte Laufschuhe verwende. Unter meinen Füßen ist schon ein deutlich geringer gedämpfter ON Cloudracer = Wolke 7. Steffi sagt über ihren Cloudflow: „Ich mag den gar nicht mehr ausziehen! Ich könnte ewig damit laufen! Aber ich habe im Gegensatz zum Cloudracer das Gefühl, mich vor allem bei schnelleren Läufen nicht so direkt abdrücken zu können. Das liegt offenbar an den viel höheren Clouds. Gegenüber dem ON Cloudsurfer, den ich vor allem bei längeren Läufen oft verwende, habe ich beim Cloudflow das Gefühl, dass der wesentlich agiler ist. Leichter ist er auf jeden Fall.“
Auf Wald- oder Sandboden sind Steffi und ich uns einig. Wo der Cloudflow auf Asphalt und zum Teil unbefestigten Untergründen noch gut funktioniert ist er hier einfach too much! Es fühlt sich an als ob man auf Hochsprungmatten laufen würde. Wie eine extra Federung unter einer Federung. Diese „Kritik“ geht allerdings an alle gedämpften Laufschuhe sämtlicher Marken. Wir sind gemeinsam der Meinung, auf solchem Untergrund braucht man wenn überhaupt, dann nur sehr wenig Dämpfungsmaterial im Schuh.

Nächstes Testkriterium: Der Koppellauf direkt nach einem anstrengenden Radtraining, wenn die Beine schon sehr müde sind. Steffi lächelt: „Ja mit dem Cloudflow fühle ich mich trotz schwerer und unkoordinierter Beine vom ersten Meter an recht wohl. Und dass die Fersen in der Grundstellung etwas nach außen Kippen kommt meiner Beinachse im ermüdeten Zustand entgegen.“ Bei mir selbst verhält es sich umgekehrt. Ich vermisse sowohl bei lockeren aber vor allem auch bei schnellen Koppelläufen das Direkte, den unmittelbaren Abdruck. Es fühlt sich an als ginge die Laufstrecke über den gefederten Boden in einem Dojo. Erst allmählich komme ich damit klar und ich kann mir vorstellen auf der Ironmanlaufstrecke hintenraus die Vorteile des Cloudflows nutzen zu können.
Fazit
Steffi und ich bewegen uns schon seit Jahren sowohl im Alltag oder auch im Training mit Minimallaufschuhen und Barfußschuhwerk. Unsere Fuß- und Unterschenkelmuskulatur ist es gewohnt, selbst Stabilität und Federung zu erzeugen. Eine gut trainierte Beinmuskulatur benötigt wenig Dämpfung. Die meisten Läufer/innen trainieren diese Fähigkeiten nicht regelmäßig und empfinden einen Laufschuh erst ab einem gewissen Maß an Dämpfung als angenehm. Aus den Reihen der Biomechaniker hört man, dass man bei der Konstruktion von Laufschuhen durchaus auf stützende Elemente verzichten kann, dem Läufer/ der Läuferin aber einen komfortablen Impact ermöglichen sollen, ohne dabei korrigierend zu wirken. Genau deswegen findet man ON in im Sortiment meiner Praxis. Ich persönlich finde, ON ist es von Anfang an gelungen Schuhe zu kreieren, die sich an ihren Träger anpassen. Ich glaube, daraus resultiert auch der Erfolg der Marke. Das Leichtgewicht Cloudflow setzt diesen Trend fort. Mir reicht allerdings der deutlich weniger gedämpfte Cloudracer (ebenfalls aus dem Hause ON). Ich stelle aber wohl eher die Ausnahme als die Regel dar. Etwas schade finde ich, dass ON nicht bei allen Modellen konsequent die hintersten Clouds direkt unter die Ferse setzt. Auch beim Cloudflow flachen die letzten Clouds zwar ab, enden jedoch erst hinter der Ferse. Dies forciert m.A. ein weites Vorpendeln des Unterschenkels in der vorderen Schwungphase und verleitet im gleichen Moment zu einer Dorsalextension des Fußes. Die Absorption des Aufpralls wird dadurch allein dem Dämpfungsmaterial des Schuhs überlassen, was erheblich die Laufdynamik beeinflusst, da der Läufer/ die Läuferin in diesem Moment passiv wird. Wenn es ein ON sein soll… … geht deshalb meine Empfehlung des Cloudflows an Läufer/innen, welche „echte“ Mittelfußläufer sind und viel Dämpfung lieben. Für Läufer/innen, die sich vom Schuh beeinflussen lassen scheint mir als Trainingsschuh der Cloudsurfer nach wie vor die geeignetere Wahl.
+ Plus
  • Sehr leicht
  • Lässige Optik
  • hervorragende Dämpfung vor allem für ruhigere Läufe im Grundlagenbereich
  • Obermaterial sehr anschmiegsam, dünn und atmungsaktiv
  • die breitere Längsrille zwischen den Clouds sammelt nicht mehr so leicht Steine und Kiefernzapfen auf wie bspw. beim Cloud
– Minus
  • auf nassem Untergrund rutschig
  • schwammiger Abdruck vor allem bei forciertem Tempo
  • die hinteren Clouds sitzen nicht unter sondern hinter der Ferse
Coming up!

Wir freuen uns in Kürze auch erste Eindrücke vom brandaktuellen ON Cloudflash (wettkampforientierer Laufschuh) liefern zu können. Ordentliche Vorschusslorbeeren hat er bereits erhalten und das Design ist ein Hammer.